Die Mehrdimensionalität der Materialien

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Bild von BBI, Baubiologisches Institut Österreich

Jeden Morgen wählen wir frei, mit was wir uns bekleiden. Stimmt die Wahl, fühlen wir uns wohl, stimmt sie nicht, ist der Tag meist gelaufen. Über die „dritte Haut“, die Materialien unseres Lebens­raumes, machen wir uns dagegen kaum Gedanken. Nur beim Hausbau oder beim Einrichten – und das meist aus technischen oder ästhetischen Gesichtspunkten. Atmosphäre und Wohlgefühl basieren aber bis zu 50 % auf den Eigenschaften der uns umgebenden Materie.

Das Wort Materie hat seinen Ursprung im lateinischen Wort „materia“ und bedeutete ursprünglich Holz. Es ist aus den lateinischen Ausdrücken „mater“ (= Mutter) und „matrix“ (= Gebärmutter) entstanden. Der ursprüngliche Sinn als Stoff, aus dem etwas gefertigt wird, hat sich im Ausdruck Material erhalten.

Materia prima

Materia prima (lat.) ist ein philosophischer Terminus, der „erste Materie“ bedeutet; der Ausdruck wird auch mit „Urstoff“ oder „Urmaterie“ übersetzt. Der Begriff geht auf Aristoteles zurück, welcher lehrte, dass die konkreten materiellen Dinge durch Materie (hyle) und Form (morphe) konstituiert seien (sog. Hylemorphismus). Die erste, noch ungeformte Materie heißt bei ihm ὕλη πρώτη (hulê protê, hyle prote) oder πρώτη ὕλη (protê hulê); dieser Ausdruck wurde mit materia prima ins Lateinische übersetzt. Der Begriff war insbesondere in der Scholastik von Bedeutung. Von hier aus fand er auch in der Alchemie Anwendung.

Tote Materie oder doch lebendig?

Der Begriff der Materie wurde in der antiken Naturphilosophie bereits behandelt. Auch die Bezeichnung Physik geht auf griechisch „physis“ = Natur, Erzeugung, Geburt zurück. Wie auch die Natur auf lateinisch „natura“ = Geburt bezeichnet wird. Materie wurde als etwas sehr Ursächliches betrachtet. Neuere Forschungen zeigen auch, dass bestimmte Minerale bei der Entstehung irdischen Lebens auf der jungen Erde eine entscheidende Rolle gespielt haben. Von wegen „tote Materie“!

Die Dimension der Materialphysiologie 

Schadstoffarm oder schon schadstofffrei?

Gasförmige, leicht- bis mittelflüchtige und schwerflüchtige Schadstoffe und Wohngifte finden sich in vielen unserer Werkstoffe und Materialien. Besonders mit Pestiziden und Schwermetallen tut sich unser Körper schwer. Manche Materialien sind ungeeignet für Allergiker und bei Unverträglich­keiten. Eine Produktkennzeichnung ist nicht vorgeschrieben. Gütezeichen, wie das baubiologische „NaturePlus“, sind freiwillig und selten zu finden.

Kinder sind besonders betroffen

Die Belastungs-Grenzwerte für Schadstoffe beziehen sich auf Erwachsene und nicht auf den viel empfindlicheren Organismus von Säuglingen und Kleinkindern. Kinder nehmen im Verhältnis zu einem Erwachsenen aber dreimal mehr Schadstoffe auf. Da sich Kinder noch im Wachstum befinden, ist ihr Immunsystem und somit die Abwehrkräfte noch nicht voll ausgereift und damit anfälliger auf alle Einwirkungen. Das Resultat ist ein erhöhtes gesundheitliches Risiko.

Nachwachsende Nachhaltigkeit

Die Verwendung von regionalen Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen und wiederverwend­baren Werkstoffen, die geringe Lebenszykluskosten und einen kleinen ökologischen Fußabdruck aufweisen, ist wünschenswert, aber nicht immer erfüllbar. Genau hinsehen lohnt sich in jedem Fall. Plastik ist nicht wohnlich und Holz aus (europäischen) Urwäldern dürfte es erst gar nicht geben. Mehr Werkstoffe aus der (biologischen!) Landwirtschaft wäre ein unterstützenswerter Weg!

Regionalität und Selbstverständnis

Regionale Bau- und Werkstoffe sind meist nicht nur nachhaltig, sondern können in besonderer Weise das Selbstverständnis einer Region mitprägen. Authentische Lebensräume leben von und mit ihrer Kultur – auch mit neu Geschaffenem. Naturstein ist ein excellentes Beispiel dafür: es macht einen Unterschied, ob in der Stadt Salzburg beispielsweise ein Untersberger Kalkstein ein Haus oder ein Grab ziert oder ein Granit aus Indien.

Materialwelten – Geschenke der Natur

Die Materialforschung liefert oft atemberaubend neue Werkstoffe für künftige Anforderungen. Nicht nur Holz- und Pilzwerkstoffe, auch synthetische Materialwelten der Zukunft werden heute möglichst naturnah entwickelt. Neben einer konsequenten C2C-Kreislaufwirtschaft ist es vor allem die Dankbarkeit bei Entnahme und Rückgabe an Mutter Erde, die unser Handeln leiten soll.

Die Dimension der Materialenergetik

Ebenen von Materialwirkung

Materialien, Einrichtungsstoffe, Räume und ganze Gebäude können ästhetisch und wertvoll aussehen, auch wenn sie in die Jahre gekommen sind. Andere wirken schon nach kurzer Zeit abgenutzt, hässlich, sogar ekelig. Woran liegt das? Neben den physikalischen, chemischen und biogenen Eigenschaften weisen Materialien eine Reihe weiter Eigenschaften auf, die oft wenig Berücksichtigung finden. In den nächsten Punkten möchte ich einige Anregungen dazu geben.

Atmosphärische und ästhetische Materialwirkungen

Materialien sind immer auch Träger von Lebenskraft. Von den Rohstoffen mitgebrachte Eigen­qualitäten oder im Zuge ihrer Verarbeitung und Verwendung Gespeichertes. Das Leben selbst speichert sich in den Poren unseres Umfeldes ab. Dies ist der Hauptgrund, warum wir räuchern. Alle Materialen sind Speichermedien und weisen unterschiedliche Speicherungseigenschaften auf, wie Speicherungskapazität, -geschwindig­keit und -sättigung.

Entstehung, Herkunft und Verwandtschaft

Vom Wesenscharakter eines Materials zu sprechen, klingt schon sehr weit hergeholt. Andererseits wirkt eine Weide schon sehr anders als eine Kiefer. Oder Schafwolle anders als Ziegenhaar. Die Herkunft des Rohstoffes ist sehr wesensformend, aber auch die Entstehung und Verwandtschaft von Materialien wirken mit. So harmonieren beispielsweise Kalkstein und Marmor besser als Kalkstein und Granit.

Materialkonzepte mit Lebenskraft

Materialkonzepte für Einrichtungen werden durch die räumliche Funktion, die Art und Dauer der Nutzung, dem atmosphärischen Kundenwunsch und dessen Lebensstil, usw. bestimmt. Zur Erfüllung dieser Kriterien bieten sich die Materialeigenschaften der Speicherung von Lebenskraft an. Es braucht andere Materialien für ein Hotelzimmer, wo rasch verschiedene Menschen wechseln oder für ein Wohnzimmer, das von einer Familie über einen langen Zeitraum bewohnt wird.

Die Dimension der Materialpsychologie

Gestaltung ist nicht nur Geschmackssache

Eine gute Gestaltung und eine achtsame Wahl von Formen, Farben und Materialien haben auch eine Auswirkung auf unser Gemüt. Belastungen unseres mentalen und emotionalen Systems sind bedenklich und an umweltbedingte Krankheiten, wie das Sick Building Syndrom oder Burnout, mitbeteiligt. Über Geschmack lässt sich streiten, heißt ein verharmlosendes Sprichwort. Ich finde, über gute Gestaltung wird viel zu wenig gestritten!

Mentale Materialstärken

Das Image oder der Wert (nicht der Preis) eines Materials bildet oft eine Entscheidungsgrundlage für die Auswahl. Gute Beispiele dafür sind Edelmetalle, wie Gold oder Edelsteine. In anderen Disziplinen, wie der Steinheilkunde, werden universelle Prinzipien, wie Elementarkräfte, mit Materialwirkungen in Verbindung gebracht.

Jede Materie, damit jedes Material, ist Teil der Erde und damit auch Teil des Mentalfeldes der Erde (Noosphäre) und Teil des Erdenbewusstseins.

Emotionale Materialstärken

Wie jeder Raum andere Materialien braucht, reagiert auch der Mensch sehr unterschiedlich auf sie. Energetische und kinesiologische Testungen zeigen immer wieder, dass Menschen Materialien sehr persönlich nehmen. Sie können uns bei der Materialauswahl eine verlässlichere Hilfe bieten als sich alleinig nach Modetrends und lnfluencer.innen zu auszurichten.

Die Dimension der Materialspiritualität

Seelische Ebene

Formen und Persönlichkeit

Es gibt verschiedene Systeme für Persönlichkeitsanalysen, wie Archetypen, Farbtypen, Formtypen oder auch Materialtypen. Auch wenn viel Biografisches in den Analysen zutage tritt, merken wir doch, dass sich hier auch seelische Konstitutionen zeigen.

Geistige Ebene

Formen und Urprinzipien

Symbolik und Mythos eines Materials gehen über mentale Ladungen hinaus und zeigen auf eine tiefere Ebene. Beim Menschen würden wir sie geistige Ebene nennen. Und bei Tieren, Pflanzen und Steinen? Es ist die Wesenhaftigkeit der Erde selbst, die wir wieder entdecken dürfen.

Zu guter Letzt

Es ist Sache des Handwerks und der Beratung, ein für Sie passendes Materialkonzept zu erarbeiten. Für Sie gilt: Vertrauen Sie auf Ihren Geschmack und Ihre Intuition. Wählen Sie mal Holz aus einem Musterkoffer mit geschlossenen Augen. Sie werden überrascht sein, wie treffsicher Sie eine intuitive Auswahl treffen. Dazu mögen auch die Gedanken dieses Blogs eine Inspiration sein.

RAUMIMPULSE
Mag. Wolfgang Strasser
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