Fehlbereiche sind Lernbereiche

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Die Geschichte unregelmäßiger Grundrisse

Immer mal wieder stößt man bei Beschreibungen in Büchern oder Blogs auf den Begriff „Fehl­bereich“. Dieser Begriff bezieht sich auf einen oder mehrere fehlende Bereiche im rechteckigen Grund­riss einer Wohnung, eines Gebäudes oder eines Grundstückes. Manchmal lesen wir auch von einem „Zusatz­bereich“, der über den regelmäßigen Grundriss hinausragt. Unregelmäßige Grund­riss­­formen sind weit verbreitet. Was hat es damit auf sich? Hat es Auswirkungen für die Bewohner? Diesen Fragen gehe ich in diesem Blog nach.

Sie haben es richtig vermutet: hinter diesem Begriff verbirgt sich eine wichtige Analysefunktion tradi­tioneller Architektur- und Harmonie­lehren. Sie kommen recht häufig vor, hier einige Beispiele dafür:

  • Ein unregelmäßiger Grundriss, z.B. ein Haus oder Bungalow, der in L-Form gebaut ist
  • Hausanbauten, z.B. ein Wintergarten, der nicht über die gesamte Seite des Hauses reicht
  • Eine Wohnung, die durch das Treppenhaus einen Teil im Grundriss vermisst
  • Ein unregelmäßiges Grundstück

Beim Neubau können schon im Vorfeld einige Mängel vermieden werden, indem man von vornherein energetische Prinzipien berücksichtigt. Was ist jedoch, wenn das Haus bereits steht, wenn man schon in der Wohnung wohnt oder in dem Büro arbeitet und ein Umbau oder Umzug zur Zeit nicht in Frage kommt? Heute gibt es ein paar Tipps von mir, wie Sie trotzdem etwas wohltuend verbessern können.

1. Fehlbereiche im rechteckigen Grundriss

Idealerweise ist der Grundriss einer Wohnung, eines Hauses oder eines Grundstücks rechteckig oder quadratisch – eben ganz. Wenn im umschriebenen Rechteck des Grundrisses ein Teil fehlt bzw. nicht bebaut ist, spricht man von einem sogenannten Fehlbereich. Sie finden sich häufig bei den Eingängen, Terrassen oder Innenhöfen.

Beispiele für Fehlbereiche im Grundriss

2. Warum ist das wichtig?

Wenn es innerhalb eines rechteckigen Umrisses einer Wohnung nun fehlende Bereiche gibt, weisen diese Fehlbereiche auf mögliche Defizite im jeweilig zugehörigen Lebensthema auf. Die Symbolik der Wohnstrukturen macht damit übernommene Muster der Bewohner bewusst.

Beispiel: Fehlbereich vor dem Eingang im Lebensbereich Gäste / Freunde und
Fehlbereich durch die Terrasse im Lebensbereich Fülle / Reichtum.

In der Raumenergetik spricht man von Fehlbereichen. Ich bezeichne sie lieber als Potentialbereiche, denn das verborgene Potential kann bei Bedarf aktiviert werden.

3. Unbewusste archetypische Wohnmuster

Im Laufe der Jahrtausende haben sich archetypische Strukturen des Wohnens herausgebildet, an denen sich auch der moderne Mensch orientiert, wenn auch heute meist unbewusst. So gibt es Bereiche für das Familienleben, den Kindergarten, den Schlafbereich oder die Gästebewirtung, usw. Von der Höhle über Rund- und Rechteckhäuser bis zu den Bauernhäusern entwickelte sich eine 9-Feld-Struktur heraus, die sich bis heute in unserem kollektiven Unbewussten gehalten hat. 1)

Beispiele für Lebensbereiche

4. Wohnmuster mit Lebensbereichen

Untersuchungen zeigen, dass diesen neun Feldern intuitiv immer die gleichen Lebensthemen zugeordnet werden. Aus diesen archetypischen Ordnungen haben sich im Laufe der Zeit in den verschiedenen Kulturen vergleichbare Gestaltungsmethoden entwickelt. Im Feng Shui hat sich beispielsweise das Bagua (= acht Bereiche + Mitte) herausgebildet, vergleichbar auch im Vaastu.

Legt man das archetypische Muster der 9-Feld-Struktur über das individuelle Wohnmuster (Grundriss), erhält man Informationen zu wesentlichen Lebensthemen der Bewohner.

5. Prägungen und Muster

Beim Studium von Wohnungsgrundrissen zeigt sich, dass sich Menschen trotz mehrmaliger Über­siedlungen immer wieder in ähnlichen Wohn-strukturen wieder finden. Meist werden Analogien zum Elternhaus sichtbar. Dieses Phänomen ist ein starker Hinweis auf unbewusste Prägungen, die in der Kindheit und im Elternhaus ihren Ursprung haben. In der Kindheit geprägte Sicht-, Verhaltens- und Denkmuster finden ihre Manifestation auch in der Struktur von Wohnungen.

6. Lebens- und Urprinzipien

Außerdem geht jeder Mensch mit bestimmten Grundrissen in Resonanz. Wenn wir uns ein Haus mit einem Fehlbereich aussuchen, ist es meist ein Bereich im Leben, an dem wir arbeiten sollen. Auch das Prinzip der Analogie (Entsprechung) kommt immer wieder zur Anwendung: „wie oben, so unten; wie innen, so außen; wie im Großen, so im Kleinen“. Der Grundriss ist nur ein Bild unseres Inneren. Und wenn wir mit einem bestimmten Haus in Resonanz gehen, ist das ein Spiegel von uns selbst.

7. Grundriss als Orientierung

Durch das Herstellen von Analogien zwischen Wohnstruktur und mentaler / emotionaler Struktur der Bewohner im Beratungs­prozess können Entwicklungsschritte in Gang gesetzt werden, die ohne diese Symbolik kaum möglich wären. Hinweise auf Prägungen, aber auch systemische oder karmische Einflüsse können dann mit entsprechenden Methoden weiter bearbeitet werden.

8. Unterstützung durch die Hausenergien

Wenn wir ein Ziel erreichen wollen, brauchen wir Energie dafür. Bekommen wir Unterstützung, erreichen wir das Ziel leichter. Auch über unsere Hausenergien können wir Unterstützung bekommen.

Ein Lebensbereich, der im Haus stark repräsentiert ist, bekommt mehr Energie. Darüber hinaus spielt es eine Rolle, welche Räume dort liegen, wie groß sie sind, wie oft sie genutzt werden, usw. Klar, dass in häufig genutzte Räume mehr Energie fließt. Das heißt die Bewohner werden mit viel Energie in diesem Lebensbereich unterstützt.

9. Richtungsenergien bestimmen die Hausenergien

Diese Energien im Haus sind Formen der Lebensenergie. Die kommt aus der Natur in unsere Räume. Sie erreicht unsere Räume durch die Haus- oder Wohnungstür. Gleichzeitig wird die energetische Qualität der Lebensenergie auch durch die Richtung mitbestimmt, aus der sie kommt. Deshalb macht es auch einen Unterschied, wie ein Haus in der Landschaft ausgerichtet ist und wo sich die Haustür befindet.

Lebensenergie aus allen Richtungen

Die Arbeit mit Richtungsenergien findet sich in nahezu allen traditionellen Harmonielehren. Be­sonders bekannt ist sie aus dem Feng Shui oder dem Vaastu. Aber auch die euro­päischen Traditionen kennen energetische Richtungs­qualitäten. Lebensenergie aus dem Osten hat eine andere Qualität, als Energie aus dem Süden, Westen oder Norden.

10. Richtungsenergien formen die Lebensbereiche

Wir ahnen schon, dass es kein Zufall ist, wo sich arche­typische Lebens­felder befinden. Die Antwort liegt in den unterschiedlichen Qualitäten der Richtungsenergien. Ihre jeweiligen Qualitäten befördern eine bestimmte Nutzung in ihren Einzugsbereichen. Wir kennen das auch aus den Jahreskreisen.

Beispiel eines Lebensrades

11. Versorgung mit Lebensenergie

Der Mensch hat sich im energetischen Milieu der Natur entwickelt und braucht diese unter­schiedlichen Qualitäten der Lebensenergie für Gesundheit,
Wohlbefinden und Lebensqualität. Bei einer Beratung wird deshalb untersucht, wie die Wohnung oder das Haus ausgerichtet ist, welche Fehlbereiche vorhanden sind und wie es aus den acht Himmels­richtungen mit Lebensenergie ver­sorgt wird. Es ist klar: unser Lebensraum sollte aus allen Richtungen gleichmäßig mit Lebensenergie versorgt sein.

12. Fehlende Lebensenergie

Fehlende Gebäudeteile haben zur Folge, dass die eintreffende Richtungsenergie nicht gehalten werden kann und damit nicht in die Räume gelangt. Sie steht den Bewohnern somit nicht oder nur reduziert zur Verfügung. Das hat zur Folge, dass sich die Bewohner hier mehr anstrengen müssen, um ihre Ziele zu erreichen. Je nachdem wie groß der Fehlbereich tatsächlich ist, sind die Aus­wirkung­en mehr oder weniger dramatisch. Sehr kleine Fehlbereiche wirken sich natürlich weniger aus.

13. Was ist mit Zusatzbereichen?

Oft wird auch mit sogenannten „Zusatzbereichen“ bzw. „Erweiterungen“ gearbeitet. Das sind kleinere Grundriss­abschnitte bis zu ⅓ oder bis zu ½ der Gebäudelänge (je nach Schule), die über das engst umschriebene Rechteck hinausstehen. Das kann ein Gebäudeeck zur Terrasse hin sein, ein Vorbau oder ein Erker. Ein Zusatzbereich bedeutet ein erhöhtes Energieniveau im angrenzenden Lebensbereich.

Methode mit Fehlbereich + Zusatzbereich           Methode ausschließlich mit Fehlbereichen

Zusatzbereiche können ablenken und führen selten zu Konsequenzen. Ich arbeite deshalb wenig mit ihnen, sondern lege das Rechteck immer entlang der äußersten Punkte des Grundrisses an. Das generiert mehr Hinweise auf die Lebensumstände der Bewohner. Je größer ein Fehlbereich, desto spürbarer ist das Fehlen für die Bewohner.

14. Das Grundstück ist unregelmäßig

Die Form des Grundstücks ist die Basis für eine gute Energieversorgung in der Wohnung oder im Haus. Jede der acht Himmelsrichtungen verfügt über eine andere Energiequalität. Fehlt eine auf dem Grundstück, fehlt diese Energie und somit vielleicht ein wichtiges Puzzleteil für das Wohlbefinden der Bewohner.

Veränderungen im Außenbereich sind viel wirkmächtiger als im Innenbereich. Deshalb sollen Veränderungen zuerst und soweit als möglich im Außenbereich durchgeführt werden. Umgekehrt sind Disharmonien im Außenbereich umso deutlicher im Haus oder in der Wohnung spürbar.

15. Einbezug der Fehlbereiche am Grundstück

Ist das Grundstück unregelmäßig und weist Fehlbereiche auf, gibt es mehrere Möglichkeiten, die fehlenden Energien zu kompensieren:

Grundstücksteil dazukaufen          Grundstücksteil verkaufen   Energieausgleich durch Pflanzen

Zum einen kann man den fehlenden Teil für ein rechteckiges Grundstück dazukaufen. Wenn das nicht möglich ist, dann kann man das Grundstück begradigen und den abfallenden Teil der Natur zurückgeben. Und ich meine, „richtig“ zurückgeben, nicht nur mit Sträuchern dicht bepflanzen. Also der Gemeinde oder dem Nachbarn verkaufen oder schenken und die Grenze neu markieren. Alles andere wäre eine Alibihandlung und funktioniert nicht.

Lassen sich beide Varianten einer Arrondierung nicht durchführen, lässt sich auch mit bestimmten Pflanzen ein Energieausgleich herstellen. Das ist nicht ganz so wirkmächtig, wie eine Arrondierung. Eine entsprechende Pflanzenliste erhalten Sie gerne bei einer Beratung.

16. Einbezug von Fehlbereichen außen

Grundsätzlich gibt es verschiedene Strategien, je nachdem ob der Fehlbereich auf eigenem Gelände oder in der Nachbarwohnung liegt.

Ausgleich im Außenbereich                                              Ausgleich im Innenbereich

Ein Ausgleich der Fehlbereiche kann erfolgen, wenn an den Schnittpunkten der gedachten Mauerverlängerungen (an den gedachten „Hausecken“) Markierungen in Form einer Säule oder eines Pfeilers platziert werden (im Plan rote Quadrate) und so der Grundriss vervollständigt wird.

Optimal ist natürlich, wenn im Fehlbereich eine Terrasse liegt. Mit einer entsprechenden Gestaltung oder einem Umbau zum Wintergarten, lässt sich hier ein zweites „Wohnzimmer“ einrichten. Wichtig ist dabei, dass der Bereich auch intensiv genutzt wird.

17. Einbezug von Fehlbereich innen

Fehlbereiche in der Wohnung, wie z.B. eine Loggia, können durch Einbezug in die Wohnung und durch Nutzung ausgeglichen werden.

Liegt der fehlende Teil bereits im Stiegenhaus oder in der Nachbar-wohnung, kann der Grundriss nicht komplettiert werden. In diesem Fall stellt man die fehlenden Richtungsenergien fest und „zieht“ sie durch Formen, Farben und Materialien, wie z.B. eine entsprechende Wandfarbe, in den Raum.

18. Stärkung fehlender Energie in den Räumen

Die Lebensbereiche lassen sich nicht nur im Wohnungsgrundriss, sondern in jedem einzelnen Raum darstellen. Fehlende Richtungsenergien können daher auch in jedem Raum kompensiert werden. Das ist zwar eine nicht sehr wirkmächtige Methode und grenzt gefährlich an Dekoration, aber eine gute Gestaltung und eine starke Intention gleicht das aus.

19. Aktivierung der Lebensbereiche

Aktivieren Sie die Energie des Lebensbereiches, der Ihnen gerade besonders wichtig ist. Das geht prinzipiell über die Elemente. Nutzen Sie die passenden Formen, Farben und Materialien. Jeder Akzent sollte achtsam und bewusst mit der entsprechenden Intention gesetzt werden.

20. Fehlbereiche sind Lernbereiche

Machen Sie sich bitte nicht bei jedem Fehlbereich Sorgen! Solange Sie gesund und glücklich durchs Leben gehen, ist alles gut.

In der Regel kommen meist mehrere Faktoren zusammen, bevor sich ein Fehlbereich ungünstig auswirkt. Eine Lebensraumberatung sorgt dafür, dass uns Dinge schneller klar werden. Ein Fehlbereich kann dazu führen, dass wir schneller zu einer Entscheidung kommen. Darum sehen Sie Fehlbereiche bitte nicht als Manko an, sondern nehmen Sie sie als Hinweis darauf, dass Sie Lebensbereiche haben, an denen es zu arbeiten gilt.

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‚) Buchempfehlung: Helmuth Seidl und Helga Gumplmaier (2014): Wohn-Sein: Achtsam wohnen – zufrieden leben. Edition Va Bene 2014

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Mag. Wolfgang Strasser
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