Raum für Ahnen

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Erinnerung in den eigenen vier Wänden

In diesen Tagen wird Allerheiligen und Allerseelen gefeiert. Wir verschönern das Familiengrab, treffen uns am Friedhof und zünden eine Kerze für die Verstorbenen an. Bis auf diese sporadischen Besuche auf dem Friedhof hat sich die Ahnenarbeit aber aus unserer Lebensweise verabschiedet. Sie ist uns lästig oder macht uns sogar Angst. Wenn ein Kontakt mit den Ahnen überhaupt gewünscht ist, findet er privat und unbemerkt statt. Das ist nicht in allen Kulturen so und auch in unserer Kultur wurde die Verbindungen mit den Ahnen anders gelebt. Was es mit der Ahnenarbeit (räumlich) auf sich hat, darüber möchte ich in diesem Blog sprechen.

Wie einleitend schon angedeutet, möchte ich das Thema auf Ahnen und Nachkommen erweitern. Es ist ein kommen und gehen auf dieser Welt und der Einbezug der Nachkommenden erweitert nicht nur die Sichtweise, sondern kann auch unsere Haltung zu Familie und Welt verändern.

Tatsächlich wird beides, die Werke und Erfahrungen unserer Vorangegangenen und die Perspektiven und Möglichkeiten unserer Nachkommenden, zugunsten unserer Forderungen an das aktuelle Leben beiseite geschoben. Das ist weder nachhaltig noch systemisch gut.

Viele Kulturen gehen davon aus, dass das, was in einer Familie geschieht oder geschehen ist, sieben Generationen lang Wirkung zeigt, bis es aus dem Zellgedächtnis gelöscht ist. Die Epigenetik, ein moderner Zweig der Biologie, erforscht die Vererbbarkeit von Erfahrungen und kommt zu einem ähnlichen Ergebnis.

Klären, was gemeint ist

Private Ahnen

Mit Ahnen verbinden wir die Vertreter unserer Familie in gerader Linie, also unsere Großmütter und Großväter. Ihr Leben ist in unseren (epi)Genen gespeichert, wir tragen es weiter. Ein unzerreißbares Band verbindet das Familiensystem aufs Engste. Dazu gehören auch unsere Nachkommen, also unsere Enkelinnen und Enkeln. Und unsere Familie mit unseren Eltern, Geschwistern und Kindern.

Wurzeln und Früchte

Warum sollen wir nun unsere Vorfahren und Nachkommen einen Raum in unserem Leben und einen Platz in unseren Räumen geben? Nun, weil sie unsere Wurzeln und unsere Früchte sind. Ohne Wurzeln verdorren wir, ohne Früchte wird vieles sinnarm. An den Eltern und Kindern wird vieles, was Vorangehende und Nachkommende betrifft, auch im aktuellen Leben sichtbar.

Berufliche Ahnen

Manche von uns stehen auch beruflich in einer Ahnenreihe. Ich habe beispielsweise eine Ahnen­galerie aller Meister, bei denen ich lernen durfte und deren Erfahrung und Weisheit ich in die Zukunft tragen darf. Ich habe inzwischen den Beruf gewechselt und dennoch lässt sich ein roter Faden erkennen. Die neuen Meister reihen sich an die alten Meister.

Respekt und Anerkennung

Es gibt auch eine berufliche Familie. Sie besteht aus Vorgesetzten und Mitarbeitern. Es ist nicht nur die hierarchische Gliederung eines Unternehmens, das uns oft Schwierigkeiten macht. Es ist der Verlust von Respekt und Anerkennung, der uns nicht wirklich frei macht. Wenn Wertschätzung verloren geht, geht auch Orientierung verloren.

Stellen Sie sich folgende Fragen als kleine Übung: Wie geht es mir mit meinen Eltern? Wie geht es meinen Kindern mit mir? Wie geht es mir mit meinen Vorgesetzen und meinen Mitarbeitern?

Verortung des Lebensthemas

Das Thema Ahnen und Herkunft hat viel mit dem Gang in die Materie zu tun. Das ist im Feng Shui im Osten verortet (Chen, Trigramm 3), im Vaastu im Südwesten und in europäischen Traditionen im Westen.

In Europa ist also der Westen die Richtung der Ahnenkräfte. Der im Westen liegende Sonnen­untergang führt zur analogen Symbolik des Loslassens und Abschiednehmens, aber auch der Erdzugewandtheit (die Sonne wird von der Erde aufgenommen).

Archetypus Ahnen     Europa W – O              Vaastu SW – NO        Feng Shui O – W

Osten – Westen

Im Westen geht die Sonne unter. Wir erleben jeden Tag den Gang in die Materie. In der christlichen Sakralarchitektur findet man im Westen die Marienaltäre, die Richtung der Mutter, der Mater, der Materie. Sie stehen den Christusaltären im Osten, der aufgehenden Sonne, gegenüber.

Zukunft – Vergangenheit

Die Lebensthemen der Eltern stehen im Westen, die Ernte, das Loslassen, das Geschehene. Das entspricht auch den Ahnen. Dem gegenüber stehen die Lebensthemen der Kinder im Osten, das Kreative, das Neue, das Künftige. Das entspricht auch den Nachkommen. Wenn wir den Westen ehren wollen, muss der Osten klar sein. Umgekehrt natürlich auch.

Die Quellräume

Partnerschaft und Gemeinschaft sind die Quellräume für die Lebensaufgabe Familie und Ahnen. Weisheit und Erfahrung sind die Quellräume für die Lebensaufgabe Kinder und Nachkommen. Aus diesen Bereichen schöpfen wir die Energie für aktives Handeln. Wenn es also hakt, dann lohnt es sich, dort nachzusehen.

Die Wegbegleiter

Die Wegbegleitung ist genau umgekehrt. Weisheit und Erfahrung sind die Wegbegleiter für die Lebensaufgabe Familie und Ahnen. Partnerschaft und Gemeinschaft sind die Wegbegleiter für die Lebensaufgabe Kinder und Nachkommen. Die Felder zu stärken, stärkt auch uns am Weg, den wir gehen.

Aspekte der Raumgestaltung

Den Westen gestalten

Der Westen steht für Loslassen, Entspannung, Erd- und Materiezugewandtheit. Der Abschied steht bevor. Da braucht es keine großartige Gestaltung mehr. Die Ernte ist reichlich, alles ist da. Dankbarkeit ist das beste Gestaltungsmittel. Wie wir sie ausdrücken, darf gerne sehr persönlich entschieden werden.

Den Osten nicht vergessen

Das Willkommen für die Nachkommen ehrt auch die Vorangegangenen. In der Richtung des Lichts, der aufgehenden Sonne, darf mehr Kreativität geboten werden, als im Westen. Es ist der Bereich der Bitte für einen guten Weg in das Rad des Lebens. Wie wir die Bitte gestalten, darf auch hier sehr persönlich entschieden werden.

Die Familiengalerie

In allen jungen Haushalten findet man oft eine Familiengalerie. Meist sind es Fotocollagen, die im Wohnraum platziert werden. Eine „Ahnengalerie“, eine Fotocollage von den Groß- und Urgroßeltern beispielsweise, findet man dagegen selten bis gar nicht. 

Unsere Eltern haben die Bilder noch im Flur an die Wand gehängt. Oder in die Kredenz oder auf das Klavier gestellt. Das ist nicht mehr zeitgemäß.

Die Ahnengalerie

Eine Collage für die Ahnen und ein Symbol für die Nachkommen kann eine sehr schöne gestalterische Arbeit sein. Die kreative Entwicklung bringt uns in Verbindung mit unserer Familiengeschichte. Und damit mit unseren Ahnen. Wenn wir täglich an der Collage vorbeigehen, erinnert uns das an die Zugehörigkeit zum Familiensystem und wir bleiben in Verbindung.

Bilder und Fotos

Machen Sie einen Rundgang durch Ihre Wohnräume und betrachten Sie in aller Ruhe alle Fotos. Wer ist darauf abgebildet? Welche Gefühle und Gedanken wecken sie in Ihnen? Warum haben Sie gerade dieses Foto für genau diesen Standort ausgewählt?

Bilder und Fotos wirken. Sie beeinflussen unsere Psyche und wirken über das einfache Anschauen in unserem Unterbewusstsein weiter. Wenn uns ein Foto besonders aufwühlt, beispielsweise der Großvater in Kriegsuniform, dann ist es gut, sich dieses Thema genauer anzusehen. Es wäre nicht getan, das Fotos einfach verschwinden zu lassen, wie es manche Expert.innen anraten.

Ahnenarbeit

Wir tragen unsere Familie in uns. Anteile, die uns stärken und die uns belasten. Ein Ahnen-Eck ist keine Form von Masochismus, sondern eine Erinnerung, stärkende Anteile wertzuschätzen und belastende Anteile zu klären. Eine neue Klarheit wirkt nicht nur heilend, sondern festigt auch Vertrauen und Orientierung. Und wirkt positiv auf unser Nachkommen weiter.

Der Ahnentisch

Zu besonderen Anlässen, wie beispielsweise Allerseelen, können wir die Collage um einen Ahnentisch erweitern. Und unsere Ahnen damit besonders ehren. Ein weißes Tischtuch, alte Bilder, frische Blumen, eine Kerze – so bekommt die himmlische Familie einen besonderen Platz.  Beim Vorbeigehen bleibe ich regelmäßig stehen, rede mit ihnen, bedanke mich, bitte um Hilfe…

Ein Ahnenschrein

Jeder römische Haushalt verfügte über ein Lararium, einen Hausaltar. Zur Verehrung der orts­gebundenen Hausgeister, der Laren, zur Verehrung des Genius und der Anima und zur Ahnen­verehrung. Diese antike Tradition haben wir schon lange verlassen. Aber wir können den Ahnentisch ganzjährig stehen lassen …

Ein Naturplatz

Für unsere Vorfahren aus länger zurückliegender Zeit war die Natur der Hausaltar. Jeder Hof oder jede Ortschaft verfügte über verschiedene Natur- und Kraftplätze in unmittelbarer Nähe. Aber nicht die historische Wirkung, sondern die aktuelle Bedeutung ist wichtig für uns. Wenn wir uns an einem Ort unserer Familie besonders nahe fühlen, nutzen wir doch diesen gut und reichlich.

Zu guter Letzt

Wenn es im Leben trotz räumlicher Ahnenarbeit nicht rund läuft, empfiehlt es sich, mit einer Familienaufstellung genauer hinzuschauen. Denn wenn etwas systemisch in Unordnung ist, können wir uns mit der Lebensraumberatung auf den Kopf stellen. Es gibt eine Reihenfolge, die nicht veränderbar ist: systemisch – karmisch – und dann erst räumlich.

Über den Autor:

Mag. Wolfgang Strasser ist Lebensraumberater und -coach, Unternehmens- und Kommunalberater. Mit RAUMIMPULSE berät er Menschen bei der Gestaltung ihrer Lebensräume.

RAUMIMPULSE
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