Raum für Kommunikation

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Miteinander reden kann alles verändern

Man kann nicht nicht kommunizieren, stellte schon Paul Watzlawik fest. Insofern ist jeder Ausdruck unseres Verhaltens eine Form von Kommunikation. Das macht eine räumliche Verortung schwierig. Etwas konkreter wird die Fragestellung, wenn wir uns die Ausdrucksform des Gespräches genauer ansehen und fragen: Wie kann ein gutes Gespräch stattfinden und räumlich unterstützt werden? Oder was können wir räumlich tun, damit es überhaupt zu einem Gespräch kommt? Wie können wir Orte schaffen und gestalten, die unseren Redefluss in Schwung bringen? Weil das nicht nur wichtig, sondern in Beziehungen, Wohn- und Arbeitsgemeinschaften essentiell ist, mache ich mich wieder auf Spurensuche.

Kommunikation stammt vom lateinischen Verb communicare mit der Bedeutung „teilen“, „mitteilen“, „teilnehmen lassen“; „gemeinsam machen“, „vereinigen“. In diesen ursprünglichen Bedeutungen ist eine Sozialhandlung gemeint, in die mehrere Menschen (allgemeiner: Lebewesen) einbezogen sind. Ein wichtiger Aspekt dabei ist lateinisch communio: „Gemeinschaft“, communis: „gemeinsam“ und meint die „Teilhabe“, in der etwas Gemeinsames entsteht.

Das Gespräch ist also nur eine von vielen Ausdrucksmöglichkeiten der Kommunikation. Aber eine ganz Wesentliche, für die es Raum und Zeit braucht, wenn es gut werden soll.

Raum und Zeit für das Gespräch

Kommunikation findet immer und überall statt, also auch in jedem Raum. Aber was ist mit dem Spezialfall „gute Gespräche“? Auch sie können in jedem Raum stattfinden – rein theoretisch. Praktisch hängt es von der Gesprächseigenschaft des jeweiligen Raumes ab. Ich möchte dies in sieben Beispielen erläutern:

Wohnzimmer: Das Wohnzimmer wäre der zentrale Ort für Kommunikation. Heute ist es meist Teil einer offenen WohnEssKüche, in der jede Intimität verloren geht. Um Intimität zu schaffen, braucht es einen Raum, wo keine Gäste empfangen werden und Kinder nicht mithören können. Es braucht einen geschützten Raum, wo man die Tür schließen kann, in dem ich meine Sorgen und Ängste aus­sprechen kann.

Esszimmer: Der Essbereich ist speziell für gemeinsame Mahlzeiten und Unterhaltung gedacht. Damit aus Unterhaltung ein gutes Gespräch wird, braucht es Gemütlichkeit und einen Ort, der eine gemütliche Atmosphäre bietet. Gerade nach dem Abendessen lässt es sich bei einem guten Glas Rotwein leichter sprechen. Das ist in Einraumlösungen schwierig. Durch Teilung des Raumes in Raumzonen kann möglicherweise Abhilfe geschaffen werden.

Küche: Die Küche ist traditionell ein geselliger Ort. Wir erhalten Anregung nicht zuletzt durch Feuer und Wasser, die elementar die Atmosphäre in diesem Raum bestimmen. Zudem war die Küche in vergangenen Zeiten abseits der „offiziellen“ Räume und bot die Möglichkeit eines kurzzeitigen Ausstiegs aus dem öffentlichen Leben. In unseren Wohnungen entwickelte sich die Küche dann meist zum Mittelpunkt des Familienlebens.

Balkon/Terrasse: Oft befinden wir uns in der Wohnung wie in einer Wolke, einem Grauschleier, der unsere Kanäle zum Denken und Fühlen verstopft. In freier Natur bekommen wir uns wieder frei und es kann fließen. Diese Offenheit können wir auch in unseren Freisitzen, wie auf dem Balkon, der Terrasse oder im Gartenhaus herstellen. Ein schöner Abend mit Kerzenschein und klarem Sternenhimmel tut dann noch seines dazu.

Home-Office: Wenn es um’s Geschäft geht, sollte man anstehende Themen nicht in die Wohnräume tragen, sondern im Home-Office erledigen. Hier braucht es ohnehin eine Atmosphäre von Klarheit, die auch geschäftliche Gespräche bestimmen sollte. Diese sollten aber nicht am Schreibtisch geführt werden. Der Platzwechsel und eine nicht zu gemütliche, aber gute Sitzgelegenheit mit Rückenschutz wirkt Wunder.

Atelier: Gespräche mit Inspiration führt man am Besten in Räumen mit Inspiration. Das kann das Atelier oder die Werkstatt sein, wenn vorhanden. Oder das She Shed oder He Shed, wenn die Partnerin oder der Partner dazu einlädt. Wichtig ist, nach einem gehaltvollen Gespräch zu lüften und zu räuchern, damit die ursprüngliche Raumbestimmung nicht überlagert wird. Das gilt natürlich für alle Räume.

Woanders: Wir wissen, Tapetenwechsel fördert die Kreativität. Und die ist wichtig, wenn es um zwischenmenschliche Themen geht, die eine Problemlösung erfordern. Das kann am Dachboden sein, im Geräteschuppen oder vor dem Hintereingang. Wichtig ist (Rücken-)Schutz und Ausblick. Um am Besten ein Platz auf einer geologischen Verwerfung, denn die fördert Kreativität in unglaublichen Maße!

Gesprächsfördernde Gestaltung

Orte des Gesprächs in der Wohnung oder im Haus zu kreieren kann sehr heilsam sein, da wir ihnen eine bewusste Funktion zuteilen und sie mit positiver Energie aufladen. Aus gestalterischer Perspektive gibt es mehrere Tipps für gute Gesprächsorte:

Kein Platz, sondern ein Ort

Ein Ort ist ein Raum oder ein Platz im Raum, an dem man etwas Bestimmtes macht. Durch das Tun manifestiert sich der Ort im Raum und der Raum erhält seine Funktion. Der Ort stiftet Identität im Raum, der den Rahmen dafür bereithält. So wird aus einem Raum ein Ort der Begegnung, ein Ort des Gesprächs.

Abseits des Alltagsgeschehens

Der ungestörte Platz ist im Idealfall nicht der alltagsgenutzte Sitzplatz in Wohnzimmer, Esszimmer oder Küche. Besser eignen würde sich ein separater Ort, der sich auch in seiner optischen Gestaltung bewusst vom Rest unterscheidet. Die Wahl eines Ortes beruht meistens auf guten Erfahrungen. Oder auf Empfehlungen des Lebensraumberaters.

Für jedes Tages- und Jahreszeit

Mehrere gute Orte für das abendliche Gespräch oder zum Brunch am Wochenende steigern die Gesprächsmöglichkeiten. Am Morgen im Osten, am Abend im Westen, im Sommer mit Kühlung, im Winter vor dem Kamin. Das Wohlgefühl soll zu jeder Zeit im Jahreslauf möglich sein. Keine Beliebigkeit, aber die bewusste Gestaltung von zwei oder drei Plätzen kann sehr hilfreich sein.

Für wichtige Gelegenheiten

Kommunikation kann vieles Bedeuten. Eine Unterhaltung, eine Aussprache, eine Diskussion, ein Fachgespräch. Manchmal braucht es eine beruhigende und ausgleichende Umgebung, dann wieder einen anregenden Ort oder einen inspirierenden und kreativen Bereich. In den meisten, auch kleineren Wohnungen, lassen sich Plätze mit unterschiedlichen Qualitäten finden und gestalten.

Intim und ungestört

Damit wir uns wirklich intensiv miteinander austauschen können, sollten wir möglichst ungestört sein, um selbst zu wählen wie lange das Gespräch dauert. Das funktioniert in den Einraumlösungen wohnen/essen/kochen nicht, denn das ist „öffentlicher Raum“. Wir brauchen aber die Intimzone, die wir sonst nur vom Schlafzimmer kennen.

Wohlgefühl und Geborgenheit

ist immer die Basis für ein gutes Gespräch. Deshalb ist es wichtig, einen Platz einzurichten, der Gemütlichkeit vermittelt und zum Verweilen einlädt. Dazu gehört ein behagliches Raumklima und eine angenehme Temperatur, eine bequeme Sitzgelegenheit, warmes und gedämpftes Licht (ohne zuviel Blauanteil), natürliche Materialien, weiche Polster und Decken sowie Pflanzen.

Sicherheit und Entspannung

ist eine wichtige Grundlage für ein offenes Gespräch. Dazu verhelfen raumpsychologische Faktoren, wie beispielsweise ein Rückenschutz, d.h. mit der Wand im Rücken statt dem Raum, der Blick zu Tür und Fenster und die Übersicht über den Raum. Das alles vermittelt auf unbewusster Ebene ein Gefühl von Sicherheit und lässt uns entspannen.

Für Gefühle und Emotionen

Gespräche haben oft mit unseren Gefühlen und Emotionen zu tun. Damit wir einen besseren Zugang zu unseren Gefühlen haben, eignen sich Plätze am Wasser. Genauer gesagt, Orte mit wässriger Atmosphäre. Das kann auch auf einer rechtsdrehenden Wasserader sein. Nicht gut für einen Schlafplatz, aber sehr unterstützend für gefühlsbetonte Gespräche.

Ohne Ablenkung und Verwirrung

Eigentlich selbstverständlich und doch immer wieder vergessen: das Handy auszuschalten. Es ist nicht nur lästig, im Gespräch unterbrochen zu werden, sondern auch mangelnder Respekt dem Gesprächspartner und sich selbst gegenüber. Noch schlimmer ist das ständige Schauen, was sich in den digitalen Medien tut, da lässt man ein analoges Gespräch am besten gleich bleiben.

Zu guter Letzt …

Es gibt Tipps für eine gute Raumgestaltung und es gibt Tipps für eine gute Gesprächsführung. Aber eine gute Raumgestaltung kann keine Gespräche führen, das müssen wir selber tun. Letztendlich geht es um die Bereitschaft, sich zu öffnen, neugierig zu sein, aktiv zuzuhören, sich zu vertrauen und aneinander entwickeln zu wollen.

Ich wünsche allen Lesern, Raum und Zeit für gute Gespräche und gute Momente, auch scheinbar Unverdauliches gut annehmen zu können.

Über den Autor:

Mag. Wolfgang Strasser ist Lebensraumberater und -coach, Unternehmens- und Kommunalberater. Mit RAUMIMPULSE berät er Menschen bei der Gestaltung ihrer Lebensräume.

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