Raum für´s Lernen

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Denken, lernen und erinnern in der Wohnung

Wenn wir über Raum für´s Lernen sprechen, denken wir zuerst an unsere Kinder. Wie wir eine lernfördernde Umgebung für die Jüngsten gestalten und einrichten können. Lernen ist aber eine lebenslange Aufgabe, wie wir inzwischen gelernt haben. Das ist für manche Menschen eine deutliche Herausforderung. Was uns diese deutlich erleichtert, ist ein Ort in der Wohnung, wo Lernen entspannt möglich ist. Wo wir so einen Ort finden, wie wir ihn gestalten und wie sich Lernorte für Kinder und für Erwachsene unterscheiden, soll in diesem Blog besprochen werden.

Erfolg in Schule und Beruf sind untrennbar mit unserer Gehirnleistung verbunden. Um diese größtmöglich ausschöpfen zu können, brauchen wir eine ablenkungsfreie Umgebung, in der wir uns wohlfühlen, einen gesunden Rhythmus aus Konzentration und Ruhe praktizieren können und ein gutes „Energie-Management“ möglich ist. Das Schöne daran: diese Voraussetzungen lassen sich sehr einfach und leicht herstellen.

So komplex unser Gehirn funktioniert, eines wissen die Neurologen und Gehirnforscher mit Sicher­heit: Prozesse, wie denken, lernen und erinnern laufen in unserem Kopf hochgradig strukturiert und geordnet ab. Und aus der Marketingforschung ist bekannt, dass Informationen besonders leicht aufgenommen werden, wenn sich der Empfänger der Werbebotschaft in einer positiven Grundstimmung befindet. Und sie dauerhafter gespeichert wird, wenn die Botschaft mit mehreren Sinnen gleichzeitig aufgenommen wird.  Gleichzeitig ist das Gehirn der größte Energieverbraucher im Körper.

Effizientes Lernen – also neue Informationen schnell verstehen, dauerhaft abspeichern und bei Bedarf rasch wieder abrufen – wird durch ein lernförderndes Umfeld enorm verbessert. Ich habe 19 Tipps dafür zusammengestellt.

Mit allen Sinnen lernen

Die sogenannte multisensorische Lerntheorie besagt, dass das Gehirn leichter lernt, wenn mehrere Sinne parallel angesprochen werden. Nicht nur Sehen und Hören, auch innere Bilder, Schmecken und Riechen spielen beim Lernen eine Rolle, ebenso Gefühle. Je mehr Sinne wir beim Lernen aktivieren, desto mehr Gehirnareale werden angesprochen und wir merken uns Dinge leichter.

Mit allen Orten lernen

Manchmal ist beim Lernen auch Kreativität gefordert. Und Kreativität kann gefördert werden, wenn wir öfters auch den Ort wechseln. In jedem Haus gibt es mehrere Bereiche, die energetisch unsere verschiedenen Wahrnehmungskanäle stärken. Probieren Sie es aus. Ein Ort zum Lernen, ein Ort für Kreativität, ein Ort für Inspiration, ein Ort für Intuition, usw.

Die richtige Zeit zum Lernen

Beim Lernerfolg spielt der richtige Zeitpunkt auch eine große Rolle. Die Organuhr kann dazu eine Orientierung sein. Nach dieser ist die beste Zeit zum Lernen von 9 bis 11 Uhr. Wenn man damit zeitlich nicht auskommt, davor und danach ergänzen. Am Nachmittag zwischen 13 und 15 Uhr kann man entspannt das Gelernte dann sickern lassen. Auch das ist notwendig!

Entspannte Atmosphäre

Denken, Lernen und Erinnern hat meditativen Charakter. Wir brauchen dabei Ruhe und Entspannung. Daher sollte an Lernorten eine eher ruhige Yin-Atmosphäre herrschen. Das wären dann Räume an der Hausrückseite und im Obergeschoß. Alles, was uns ablenken könnte, wie laute Musik oder Straßenlärm, sollte draußen bleiben.

Keine Ablenkung im Raum

Homeschooling findet häufig im Bett statt. Das ist nicht sehr förderlich. Auch wir Erwachsene sollten nicht am Bett oder mit Blick auf das Bett lernen. Das lässt uns schneller ermüden, weil unser Gehirn das Bett mit Schlafen verknüpft. Auch der direkte Blick aus dem Fenster ist ungünstig, weil er die Gedanken davonschweifen lässt. Sorgen Sie stattdessen für ein ruhiges Blickfeld ohne Ablenkungen.

Ordnung im Raum, Ordnung im Kopf

Erfolgreiche Top-Manager arbeiten (fast) immer auf einem leeren Schreibtisch. Sie wissen, dass jedes Stück Papier, jeder Ordner, jede Akte, der Terminkalender und alles sonst, was nicht zur aktuellen Aufgabe gehört, eine Ablenkung ist. Konzentration heißt, sich auf eine einzige Sache einzulassen. Außen wie innen. Und das bedeutet: Die äußere Ordnung eines aufgeräumten Platzes schafft innere Ordnung als Voraussetzung für klares und strukturiertes Lernen.

Auf Offline schalten

Auch die ständige Erreichbarkeit setzt uns unter Stress. Anrufe und Nachrichten unterbrechen jeden kreativen Flow. Sowohl für strukturierte als auch für kreative Arbeit braucht es nicht nur eine ungestörte Umgebung, sondern auch ungestörte Zeiten.

Fokussierte Aufmerksamkeit

Wenn wir lernen, können wir uns nicht auf die Umgebung konzentrieren und umgekehrt. Die Aufmerksamkeit ist nicht teilbar. Wenn wir zum Lernen einen ungeschützten Platz nutzen, sind wir ständig abgelenkt. Wir versuchen, die Umgebung im Blick zu behalten. Auch wenn dies unbewusst geschieht, entzieht des dem Lernen Kapazität.

Dazwischen Pausen machen

Lernen ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Soll heißen, dass wir nicht bis zur völligen Erschöpfung ohne Rücksicht auf Verluste lernen können. Genauso wie Muskeln nach dem Sport Zeit zum Regenieren brauchen, braucht das Gehirn ebenso eine Pause, um danach wieder die volle Leistung abrufen zu können. 5 Minuten Pause je halbe Stunde Lernen sind ein guter Daumenwert.

Aufrechte Haltung

Für das Lernen braucht es ein entspanntes, aber aufrechtes Setting. Der Kreislauf arbeitet im Liegen anders als im Sitzen oder Stehen. Wir kennen das auch aus der Meditation: aufrechte Haltung des Oberkörpers, damit die Energie gut zirkulieren kann. Es muss daher nicht unbedingt ein Schreibtisch sein, wo man gut lernen kann. Hauptsache, wir liegen nicht beim Lernen!

Offenheit und Kreativität

Der Lernplatz soll richtig ausgerichtet sein. Über 90 % aller Schreibtische stehen an einer Wand. Das beeinträchtigt die Inspiration. Der Blick auf die Wand ist wie „ein Brett vor dem Kopf“. Wer inspiriert arbeiten und lernen will, sollte den Blick schweifen lassen können. Das geht nur, wenn der Blick in den Raum gerichtet ist.

Sicherheit und Rückenschutz

Steht der Schreibtisch an der Wand, ist die Tür im Rücken. Dadurch werden vermehrt Stresshormone ausgeschüttet, da der Körper unbewusst in die „Fight-or-Flight“-Haltung geht (Angriff oder Flucht). Unser Körper tickt da noch paläolithisch und erwartet immer einen Angreifer, wenn er im Rücken ungeschützt ist. Durch diesen Stress festigen sich die Lerninhalte viel schwieriger.

Gutes, blendfreies Licht

Licht ist seit dem Verbot der Glühlampe immer ein Thema. Wenn das Tageslicht nicht mehr ausreicht, empfehle ich, mit einer Schreibtisch- oder Leselampe arbeiten als mit der großen Decken­leuchte. Haben sie nur punktuell Licht, können sie sich besser auf das Wesentliche fokussieren. Weniger Licht bedeutet aber auch eine stärkere Yin-Qualität der Umgebung.

Elementare Einrichtung

Sie können sich auch mit der Kraft der Elemente unterstützen. Sie sind Ausprägungen der Lebensenergie und finden sich nicht nur in ihrer Urform in der Natur, sondern auch in Formen, Farben und Materialien. Beim Lernen hilft das Element Erde, bei kreativen Arbeiten kann Feuer unterstützen, geht es um analytisches Arbeiten hilft Luft, für poetische Themen passt Wasser.

Energie und Sauerstoff

Obwohl es nur etwa 2 % des Körpergewichts ausmacht, beansprucht unser Gehirn fast 25 % des gesamten Energiebedarfs. Bekommt es zu wenig Energie, werden wir schnell müde, unkonzentriert, fahrig und schlampig. Energie für das Gehirn kommt von Sauerstoff, Bewegung und Ernährung. Vor dem Lernen das Zimmer gut durchlüften, damit genug Lebensenergie und Sauerstoff vorhanden ist.

Bewegung und Lernen

Auch Bewegung fördert die Durchblutung des Gehirns, insbesondere der Großhirnrinde, die für die Langzeit-Erinnerungen zuständig ist. Nutzen Sie Lern- und Arbeitspausen, um ein paar Schritte zu gehen oder kurze Fitness-Übungen zu absolvieren. Auch Lernen in der Bewegung ist förderlich, wie zum Beispiel mit Hörbüchern beim Laufen.

Ernährung anpassen

Es lernt sich nicht mit vollem Magen, da ist unser Körper anderweitig beschäftigt. Aber Lernen lässt auch den Blutzuckerspiegel rasch fallen, was uns müde macht. Das Gehirn braucht zwar Zucker als Energiequelle, aber idealerweise in Form komplexer Kohlenhydrate (z. B. Vollkorn), die langsam zu Zucker umgebaut werden.

Für guten Schlaf sorgen

Erschreckend viele Menschen leiden unter schlechtem Schlaf. Das wiederum löst auch Stress aus und vermindert die Leistungsfähigkeit. Ich habe mehrere Blogs über den Schlafplatz geschrieben. Bitte nochmals lesen, es ist eine wesentliche Voraussetzung für gutes Lernen.

Das höhere Bewusstsein nutzen

Es gibt einige wissenschaftliche Ansätze dafür, dass alles mit allem vernetzt ist, z.B. Nassim Haramein „The connected universe“ oder Rubert Sheldrake „Das schöpferische Universum“. Wenn wir noch nicht ganz wach sind, aber auch nicht mehr schlafen, haben wir eine viel stärkere Intuition und können uns in dieses Bewusstseinsnetz „einklinken“. Wir spüren förmlich, was für unsere Lernaufgabe relevant ist.

Zu guter Letzt

Lernen Sie nicht in Streit- oder Konfliktsituationen. Stellen Sie sich lieber eine Belohnung in Aussicht, wenn die Lektion gelernt oder die Arbeit erledigt wurde. Und gönnen sie sich die Belohnung auch wirklich. Auch kleine Erfolge gehören gefeiert!

Über den Autor:

Mag. Wolfgang Strasser ist Lebensraumberater und -coach, Unternehmens- und Kommunalberater. Mit RAUMIMPULSE berät er Menschen bei der Gestaltung ihrer Lebensräume.

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