Raumbezüge und -beziehungen

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Woran denken Sie, wenn Sie von Raumbeziehungen lesen? An ein Wortspiel? An Beziehungen zwischen Mensch und Raum? An Beziehungen zwischen Räumen? Oder doch an konkrete Bezüge in und zwischen unseren Lebenswelten?

Kein Raum steht für sich allein. Als Teil eines Geflechtes aus anderen Räumen, die eine Wohnung, ein Büro, ein Haus prägen, sich als konkrete Teile in ein größeres Ganzes einfügen, formen Lebensräume räumliche Beziehungen. Sie konstituieren sich nicht nur durch Nähe und territoriale Einheit, sondern durch Verbindungen und Vernetzungen der Orte.

Eine Frage von Geometrie und Energie

In der Architektur versteht man unter Raumbeziehung den Zusammenhang der Raumwidmungen und die Abfolge der Raumnutzungen. Aber auch Sicht- und Blickbeziehungen und akustische Beziehungen werden betrachtet, die durch gezielte Anordnung von Öffnungen hergestellt werden.

In einer weiteren Betrachtung zeigt uns auch der Fluss der Lebensenergie das Beziehungsgeflecht der Räume. Denn Lebensenergie fließt nicht zufällig und orientierungslos. Schon gar nicht schnurgerade bei der Tür herein und beim Fenster hinaus. Der Lebensenergiefluss orientiert sich auch nach dem Leben selbst. Nach der Intensität genutzter Plätze in den Räumen, nach der Qualität mentaler und emotionaler Hinterlassenschaften.

Beziehung zur Umwelt

Jedes Gebäude ist eingebettet in seine Umwelt – und damit auch jeder Raum eines Gebäudes. Lage und Ausrichtung entscheiden, ob ein Gebäude Rückenschutz und Aussicht hat. Auch wie die Bewohner von links und rechts unterstützt werden. Und was aus allen Himmelsrichtungen auf das Gebäude und damit auf jeden einzelnen Raum einwirkt. Eine gute Lage ist die halbe Miete!

Vertikale Betrachtung

Räume liegen in unterschiedlichen Geschoßen eines Hauses. Diese ordnen den darin liegenden Raumen unterschiedliche Aufgaben zu: Das Erdgeschoss bietet als Präsenzbereich Raum für Tun und Handeln, das Obergeschoss bietet als Privatbereich Raum für Schutz und Rückzug. Das Kellergeschoss repräsentiert das Unterbewusste und Vergangene, das Dachgeschoss das Überbewusste und Kommende.

Diese Analogie eröffnet in der aktuellen Baukultur spannende Fragen – wie verhält es sich zum Beispiel, wenn es kein Dachgeschoß gibt? Eine interessante Betrachtung in diesem Zusammenhang ist auch die eigene „Geschoß-Biografie“ – in welchen Geschoßen habe ich seit meiner Kindheit gewohnt? Und interessant ist auch die Generationenverteilung in Zweifamilienhäusern – alt oben und jung unten – oder doch umgekehrt?

Horizontale Betrachtung

Je nach Lage im Grundriss einer Wohnung oder eines Hauses mutet man unterschiedliche Atmosphären in den Räumen. Es macht einen Unterschied, ob ein Kinderzimmer im Norden oder im Süden einer Wohnung liegt.

Dies liegt daran, dass Richtungskräfte der Lebensenergie je nach Lage auf die Räume treffen. So beschreiben es alle traditionellen Harmonielehren und so kann man es auch energetisch und emotional wahrnehmen. Hintergrund bilden archetypische Feldstrukturen, die sich auch bei Raumaufstellungen immer wieder zeigen.

Fehlen Bereiche im Grundriss, sind wir auch mit der dort eintreffenden Richtungsenergie unterversorgt. Dieses Defizit kann sich auf unsere Lebensqualität unangenehm auswirken. Eine weitere interessante Betrachtung ist die eigene „Grundriss-Biografie“ – wo befinden sich Fehlbereiche in den Grundrissen der Wohnungen seit meiner Kindheit?

Elementare Betrachtung

Zuordnungen zu den Elementen kennen wir für Raumgestaltungen nach Feng Shui. Was aber geschieht, wenn ein wässriger und ein feuriger Raum nebeneinander oder gegenüber liegen? Zischt es dann am Gang? Elementare Betrachtungen sollen über die Mensch-Raum-Beziehung hinaus auch bei Raum-Raum-Beziehungen beachtet werden. Denn diese Beziehungen sind atmosphärenbildend.

Letztlich ist es eine Frage der vorhandenen Lebensenergie. Wir nennen sie auch Äther. Äther sind also energetische Kräfte und bilden Atmosphären, Sympathien und Raumqualitäten. Die gute Nachricht: sie sind energetisch (radiästhetisch) und emotional wahrnehmbar – und damit gestaltbar. In und zwischen den Räumen.

Zum Einüben, wie sich diese Atmosphären anspüren, bieten sich typische Naturräume an. Aber das wäre ein eigenes Thema …

Prozesshafte Betrachtung

Die Abfolge von Räumen kann auch eine Dramaturgie der Wirkungen beinhalten. Ein Beispiel aus der Praxisgestaltung: Die gestaltete Abfolge von Vorgarten – Warteraum – Besprechungsraum – Behandlungsraum kann die Schaffung eines Gemeinschaftsraumes Therapeut – Klient fördern und zur Öffnung der Seelenräume für eine erfolgreiche Behandlung führen. Wichtig dabei ist nicht nur die richtige Abfolge, sondern auch eine effektive Gestaltung der Räume.

Auch im Privatbereich bilden Räume nach dem Grad ihrer öffentlichen, privaten oder gar intimen Nutzung eine prozessuale Abfolge. Küche und Esszimmer sind öffentliche Räume. Hier bewirten wir unsere Gäste. Das Wohnzimmer ist bereits ein privater Raum. Damit er dies sein kann, ist eine Abtrennung vom öffentlichen Bereich notwendig. Die Steigerung von privat heißt intim. Dazu gehören dann Schlafzimmer und Kinderzimmer.

Organische Betrachtung

Wie jeder Körper Organe hat und jede Zelle Organellen, so hat auch jede Wohnung abgegrenzte Bereiche, die in funktionellem Zusammenhang stehen. In einem Bereich wird Nahrung aufgenommen, in einem anderen Bereich Energie getankt. Räume stehen also in einer organischen Beziehung. Ist eine Funktion gestört, kann sich das auf die anderen Funktionen belastend auswirken.

In Einraumlösungen kochen/essen/wohnen kann keine private Atmosphäre entstehen. Es wird immer öffentlich bleiben und die Wohnzimmer-Couch ist Teil des Gästeprogramms. Für eine private Atmosphäre braucht es die Abtrennung des wohnen von kochen/essen. Da genügt schon ein Raumteiler, wie z.B. ein Schrank. Damit aus dem Wohneck auch ein Kuscheleck wird, ist das noch zuwenig. Dafür muss man eine Tür zwischen kochen/essen und wohnen schließen können.

Wir finden diese Struktur nicht nur in unseren Wohnungen, sondern in allen Natur- und Kultur­räumen, wie zum Beispiel in Dorf und Stadt. Gestörte räumliche Beziehungsmuster belasten auch die Beziehungen zwischen den Menschen.

Feldhafte und holistische Betrachtung

Ein Raum ist Teil einer Wohnung, die Wohnung ist Teil eines Hauses, das Haus ist Teil einer Nachbarschaft, die Nachbarschaft ist Teil einer Ortschaft oder eines Stadtteils, diese sind Teile von Dorf und Stadt, die in einer Landschaft eingebettet sind, die wiederum Teil einer Region ist und so weiter. Jedes Element kann als Holon (von griech. ὅλος, hólos und ὀν, on „das Teil eines Ganzen Seiende“) bezeichnet werden, welches ein Ganzes bedeutet, das Teil eines anderen Ganzen ist. Eine so entstehende Hierarchie von Holons nennt man Holarchie.

Systemische Betrachtung

Räume speichern als Informationsfelder auch vergangenes und gegenwärtiges Leben der Bewohner. Die systemischen Beziehungen der vergangenen und gegenwärtigen Bewohner wirkt sich auch auf räumlicher Ebene aus und ist häufig auch dort erkennbar. Raumaufstellungen können helfen, vorhandene Verstrickungen zu lösen.

Prinzipielle Betrachtung

Wir kennen die Urgesetze oder Urprinzipien, wie zum Beispiel die Gesetze der Resonanz, der Polarität, der Analogie, usw. Diese Prinzipien werden in Lebensfragen herangezogen. Sie gelten aber gleichermaßen für Planung und Gestaltung. Auch Archetypen, die wir seit Carl Gustav Jung diskutieren, sind wichtige Gestaltungsprinzipien.

Mag. Wolfgang Strasser
A-4040 Linz, Leonfeldner Straße 94d
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