Ein erfolgreicher Praxisraum, Teil 4

Ein erfolgreicher Praxisraum, Teil 4

Atmosphären, Stimmungen und Gefühle

Alle Räume haben eines gemeinsam: Sie können objektiv gestaltet werden und sie können subjektiv er­lebt und erfahren werden. Beide Ebenen spielen bei der Gestaltung eines Praxis- oder Beratungsraumes eine entscheidende Rolle. Atmosphären, Stimmungen und Gefühle beeinflussen dabei die Art und Weise, wie wir Räume wahrnehmen und wie Räume auf uns wirken. In Praxisräumen braucht dies nicht dem Zufall überlassen bleiben, sondern kann aktiv gestaltet werden.

Der in einem Raum eintretende Mensch mit seinen Befindlichkeiten geht mit dem gestimmten oder geladenen Raum in Resonanz. Dabei werden Emotionen angesprochen und Gefühle ausgelöst. Gefühle können oft räumlich werden. Jeder kennt das aus dem Fußballstadion, wo sich Begeisterung, Wut oder Langeweile wohl am deutlichsten als räumliche Atmosphären manifestieren, die dem Menschen auch entgegentreten und ihn anstecken können. Auch klimatische Atmosphären haben oft selbst einen emotionalen Zug. Die Frühlingsstimmung ist räumlich ergossen, sie ist ein meßbares meteorologisches Phänomen und hat zugleich eine emotionale Qualität.

Das Wort „Atmosphäre“ wird häufig aus Verlegenheit verwendet, denn es bezeichnet etwas Diffuses, Unbestimmtes. Sie scheint nebelhaft den Raum mit einem Gefühlston zu erfüllen. Man weiß nicht recht, was Atmosphäre ist und woher sie kommt – vom Ort, den verwendeten Materialien, den Gegenständen im Raum oder den Menschen selber, der die Atmosphäre erfährt. Die Antwort ist einfach wie komplex – Atmosphäre entsteht aus allem Genannten. In diesem Artikel möchte ich dem nachgehen und beschreiben, wie das funktioniert und was das mit unseren Praxis- und Beratungs­räumlichkeiten zu tun hat.

Die Natur von Atmosphären

Atmosphären sind räumlicher Natur und, wie Dunst und Hauch, flüchtige Phänomene. So können sie sich aus Farben, Formen oder Materialien konstituieren, doch bleiben sie in gewisser Weise immer diffus. Diese wagen Beschreibungen rühren auch daher, weil Aspekte des Lebens und der Lebendigkeit (noch) nicht mit in die Betrachtung einbezogen werden.

Atmosphäre ist die spürbare und wahrnehmbare Eigenlebendigkeit eines jeden Ortes, Raumes, Materiales und Gegenstandes. Wie die physische Atmosphäre die Erde umgibt, so ist auch jeder Ort und jedes Ding von der jeweils eigenen Atmosphäre eingehüllt. Und sie entsteht auch durch den Menschen. Alle mentalen und emotionalen Abdrücke des Menschen im Raum werden von den umgebenden Materialien gespeichert und färben die Atmosphäre.

Wir können uns Atmosphären nicht entziehen, sind sie allgegenwärtig und überall präsent. Sie erzeugen Stimmungen, mit denen wir in Resonanz gehen. Ob und wie hängt auch von der eigenen Gestimmtheit ab.  Sie können bloß wahrgenommen oder leiblich gespürt werden. Damit werden Gefühle ausgelöst, die unsere Entscheidungen beeinflussen und uns zu bestimmten Handlungen veranlassen. Sie üben eine gewisse Macht auf uns aus, denn sie operieren im Sinnlichen und greifen im Unbewussten an. Atmosphären und Stimmungen werden so zum Bindeglied zwischen dem objektiv geometrischen Raum und dem subjektiv erlebten Raum, zwischen dem gestimmten Raum und der Stimmung des Menschen im Raum.

Die Wahrnehmung von Atmosphären

Nun klingt es fast widersprüchlich, dass Umwelten wie Landschaft, Architektur oder Innenraum von den meisten Menschen atmosphärisch in ähnlicher Weise erfahren werden. Auch bei subjektivem Erleben zeigen sich Atmosphären als objektive Gegebenheiten. Die Resonanz zwischen dem gestimmten Raum und der Stimmung des Menschen scheint prinzipiellen Gesetzmäßigkeiten zu folgen. Man kann auch von einer Reproduzierbarkeit von Gefühlen durch die Gestaltung von Atmosphären sprechen. Das erleichtert die Erstellung von Gestaltungskonzepten, erfordert aber auch das Wissen über deren Gesetzmäßigkeiten.

Die Gestaltung von Atmosphären

Das eigentliche Thema der Gestaltung eines Praxisraumes ist der gestimmte Raum. Atmo­spheric Design wird zur vielversprechenden Methode. Für die Gestaltung von Räumen und deren Übergänge, aber auch als Gestaltungsmittel  interaktiver Prozesse. Es kann im Sinne des ursprünglichen Verständnisses von „Design“ als Einheit von implizitem Gehalt und expliziter Gestalt verstanden werden.

Ortsqualität

Atmosphäre entsteht zuerst aus der Ortsqualität, dem „Genius Loci“. Es ist etwas Eigenständiges, von Betrachter und Gestalter unabhängig. Es braucht zuerst die Prüfung, ob ein Ort geeignet ist für eine bestimmte räumliche Zweckwidmung. Erst wenn diese Frage positiv beantwortet werden kann, folgt der Einbezug der ortsspezifischen Atmosphäre in die Gestaltung, um ihre Wirkung weiter zu entfalten.

Materialqualität

Wie die Ortsqualität haben auch Materialien und Gegenstände ihre Eigenqualität und Eigenlebendigkeit. Es macht einen Unterschied, ob wir Kiefer oder Lärche verwenden, Leder oder Schafwolle. Ihre Komposition im Raum ergibt eine wiederum eigene Gesamtatmosphäre. Durch Einbezug sinnlicher Materialeigen­schaften, wie Struktur, Textur oder Oberfläche, kann je nach Verwendungszweck des Raumes eine Gestaltungsstrategie entwickelt werden.

Elementequalität

Die vier Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft haben ihre jeweils typischen Wirkungen auf den Menschen. Sie können durch Einbezug in die Architektur und Raumgestaltung aktiv genutzt werden.

Gestaltqualität

Sehr effektiv sind Gestaltungselemente, die prinzipiellen Gesetzmäßigkeiten folgen, wie Resonanz und Anziehung, Polarität und Spannung, Rhythmus und Schwingung, Kreislauf und Zyklus, Entsprechung und Analogie, Ursache und Wirkung. Wir kennen sie aus unterschiedlichen Lebensbereichen, wenden sie aber kaum mehr bewusst in der Architektur und Raumgestaltung an.

Archetypen dagegen sind Spiegel der Lebensraumgestalt, egal ob sie bewusst eingesetzt wurden oder nicht.  Ihr Fehlen wirkt ebenso wie ihr Dasein. Die Mitte ist das wohl wichtigste Element. Aber auch die Leere, Grenzen und Durchgänge, Schwellen und Übergänge, Raumelemente, Prozessstufen, Ortszonen und Bereichsfelder prägen Orts- und Raumlandschaften.

Sinnliche Wirkung und Sinnlichkeit kann durch eine Gestaltung im menschlichen Maßstab und durch Berücksichtigung von Maß und Zahl sowie von Harmonik und Proportion hergestellt werden. Wir kennen den Goldenen Schnitt als ein Beispiel, das uns die Natur in vielfältiger Weise vorlebt.

Vitalqualität

Es braucht Lebensenergie, um Lebenskraft, Vitalität und Lebensfreude zu erhalten. Und es braucht einen achtsamen Umgang, damit sie nicht verloren geht. Die Nutzung von Ankerpunkten und Kraftplätzen und deren Verbindungen sind hilfreich, ebenso wie Symbole als Bindeglieder von äußerer und innerer Wahrnehmung.

Gestimmte und geladene Räume

Die Wechselwirkung zwischen vom Raum bereitgestellter Atmosphäre und leiblichen Erleben oder sinnlichen Wahrnehmen der Atmosphäre erzeugt Stimmung. Wir sprechen von gestimmten oder geladenen Räumen. Dies heißt aber auch, dass wir Räume stimmen oder aufladen können.

Stimmen und Aufladen von Räumen

Stimmung kann durch Licht und Farbe, Klang und Musik, Duft, Temperatur und Feuchtigkeit hergestellt werden. Aber Stimmung ist launenhaft und flüchtig. Sie hängt davon ab, wie und welche Menschen den Raum zeitlich vor dem Betreten des Kunden genutzt haben, ebenso wie die Gestimmtheit des Kunden beim Betreten des Raumes ausgeprägt ist. Eine spontane Anpassung an den Kunden ist wünschenswert

Reinigen von Räumen

Es ist also nicht nur die Gestaltung und die Art der Zusammenstellung dieser Umgebung von Bedeutung, sondern auch der pflegliche Umgang damit, wie ein Raum gestimmt ist und sich auf die Stimmung der Nutzer auswirkt. Tägliche atmosphärische Reinigung ist ebenso erforderlich, wie spontan nach einem atmosphärischen Eintrag z.B. durch Streß und Streit. Denn der nächste Nutzer wird diese Stimmung wahrnehmen!

Unterstützende Materialkonzepte

Jedes menschliche Tun hinterlässt seine Spuren. Wir kennen das vom Räuchern. Dies gilt vor allem für Räume, die sehr stark belebt sind, also auch unsere Praxisräumlichkeiten. Jeder Klient hinterlässt seine Spuren, die sich in den Materialien festsetzen. Es braucht regelmäßige Reinigung. Man kann sich das Leben aber erleichtern, wenn wir schon vorher die richtigen Materialien auswählen.

Atmosphäre als Haltung und Einladung

Die überzeugende Haltung des Beraters ist eines der wichtigsten Wirkfaktoren für den Beratungs- und Therapieerfolg, noch stärker als die fachliche Korrektheit eines erprobten Vorgehens. So liegt es nahe, diese Überzeugtheit auch durch eine authentische Beratungs- und Behandlungsatmosphäre zum Ausdruck kommen zu lassen und diese aktiv zu gestalten.

Die Gestaltung räumlicher Atmosphären  verleitet schnell zu einer  monokausalen Zuschreibung von physischen Raumeigenschaften zu individuellen Erlebnisräumen. Rot an der Wand ist aber nicht immer rot im Erleben! Wichtiger ist die Sensibilität für eine gemeinsame Atmosphäre von Berater und Klient. Nur wenn die Stimmungen von Berater, Klient und Raum, getragen von einer gemeinsamen Atmosphäre, in Resonanz gehen, kann neben dem gebauten Raum auch der erlebte Raum seine Wirkung entfalten.

Wir machen auch für Sie sehr gerne eine Praxisberatung und -begleitung.

RAUMIMPULSE
Mag. Wolfgang Strasser
A-4040 Linz, Leonfeldner Straße 94d
+43 (0)664 / 4053748
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Ein erfolgreicher Praxisraum, Teil 3

Ein erfolgreicher Praxisraum, Teil 3

Zwischen- und SchwellenRÄUME

Raumgemeinschaften haben eines gemeinsam: Sie bilden Prozesse ab. Die Anordnung der Räume in einer Praxis oder in einem Büro folgt den Abläufen, die sich durch ihre Zweckwidmung ergeben. Die Abfolge der gebauten Räume ist aber nicht die einzige Möglichkeit einer Betrachtung von Raumland­schaften. Der Artikel beschäftigt sich auch mit den erlebten Räumen und schließlich mit den Innenräumen der Menschen. Und mit Zwischen­räumen, mit den Übergängen und Schwellen.

Unter Raum wird meist der gebaute Raum verstanden. Dieser kann aber von Menschen unterschiedlich wahrgenommen und erlebt werden. Entsprechend dem unterschiedlich gespürten Kontext des Sich- Befindens entstehen leiblich-erlebte Räume. Diese werden zu einer wesentlichen Bedingung für psychische und soziale Prozesse. Sie beeinflussen die Öffnung oder Schließung emotionaler oder seelischer Räume des Menschen. Und tragen damit wesentlich zu Wohlbefinden und Kooperation in einer Praxis bei.

Der Raum als Erfahrung

Wir reduzieren den Raum meist auf seine Äußerlichkeit. Einen Raum zu empfinden, kann aber ganz anders sein, als seine äußerlichen Merkmale es vermuten lassen. Der Raum leiblicher Anwesenheit wird zum erlebten oder gelebten Raum. Archetypen grundlegender Raumerfahrungen werden ebenso beigetragen wie elementare Erfahrungen aus der eigenen Biografie. Enge und Weite beispielsweise sind grundlegende Raumerfahrungen aller Lebewesen, die sich in Phänomenen wie Anspannung und Entspannung oder auch beim Ein- und Ausatmen zeigen. Ebenso grundlegend ist das Fühlen von Richtungen, seien sie linear wie bei Wünschen oder Befürchtungen, als auch zentrisch, wie z.B. die zentrifugale Kraft einer unbestimmten Sehnsucht. Oder die sprichwörtliche dicke Luft nach einem Streit.

Menschliche Innenräume

Doch was führt zu Reaktionen, wie Anspannung und Entspannung? Rationale Überlegungen als Folge der leiblich-erlebten Wahrnehmung von Räumen können es nicht sein, da die Reaktionen meist unbewusst erfolgen.  Es sind die die Innenräumen des Menschen, die den erlebten Außenräumen gegenüber stehen und mit ihnen interagieren. Der Gefühlsraum regt sich gleichermaßen wie der Verstandesraum des Menschen. In Fällen besonderer Tiefe sind es auch die seelischen und geistigen Innenräume des Menschen, die berührt werden.

Der Mensch im Dazwischen

Das innere Befinden und die äußeren Begebenheiten stehen immer in einer Wechselbeziehung. Es ist nicht möglich sofort zu wissen, woher ein Unwohlsein kommt, sondern wie wir damit umgehen. Der erste Schritt ist somit die Entscheidung, sich für einen Moment zurückziehen zu können, um innerlich still zu werden. Es gilt eine Unterbrechung des gegenwärtigen Geschehens im Außen zu bewirken, um wahrzunehmen, was gerade im Inneren geschieht. Zu beobachten, wie man sich fühlt und was gerade im Außen geschah. Dabei ist es entscheidend zu wissen, was wir für unser Wohlbefinden, für unsere innere und äußere Balance brauchen.

Zwischenräume – oder Achten auf das, was nicht da ist

Doch da gibt es noch etwas: Neben dem Erleben der Räume selber ist in einer prozessorientierten Betrachtung vor allem die zeitliche Abfolge des Erlebens bestimmend. Der Mensch durchläuft innere Prozesse bei der Nutzung einer Abfolge von Räumen. Und erlebt dabei Zwischenräume am Weg von Raum zu Raum.

Zwischenräume sind auch Räume! Als Übergänge liegen sie zwischen Objekten oder Ereignissen, denen unsere Hauptaufmerksamkeit gilt. Sie haben etwas Verbindendes oder Trennendes, aber keine eigene Botschaft. Sie dienen dazu, eben „Wichtiges“ besser unterscheidbar zu machen und als etwas Eigenständiges zu erkennen. Meistens. Die Leere kann aber auch bewusst zur Botschaft werden. Der Zwischenraum wird vom Hintergrund zum Vordergrund. Und damit zum Gestaltungsmittel!

Schwellenräume – oder Übergänge in andere Räume

Zwischen den Räumen und den Zwischenräumen finden wir Schwellenräume. Doch was ist eine Schwelle? Überbrückung zweier Räume, ein Da­zwischen, Trennung von Sphären, innen oder außen, Auftakt und Ausklang, Grenze und Schranke, Anfang   von etwas Neuem? Der Schwellenraum ist alles zusammen, meist sogar gleichzeitig.

Schwellen werden in ihrer Funktion als räumliche Vermittler anschaulich: sie empfangen und entlassen …  Sie leben von der räum­lichen Ambivalenz zwischen Öffnung und Schließung und erzeugen zugleich die Erwartung auf das Kommende.  Schwellen geben uns die Möglichkeit des „Sichbesinnen“ und im räumlichen Kontext des „Sichfinden in seiner Umgebung“. Dies möglich zu machen ist eine wesentliche Aufgabe bei der Praxisgestaltung.

Anordnung von Raumhüllen

Die Einsicht, dass der Arzt, Therapeut oder Berater den Patienten, Klienten oder Kunden in „seinen“ Raum aufnimmt, kann prägend für den Umgang sowohl mit Klienten als auch mit dem Raum selbst sein. Der Raum impliziert dabei nicht nur den statischen Aspekt von Ort, Platz, Stelle, sondern auch dynamische Aspekte von Gelegenheit, Möglichkeit, Entwicklung.

Die räumlich-körperliche Erfahrung eines vorgelagerten Gartens für An­ziehung und Übergang, des Eingangs und der Schwelle für Vorbereitung und Reinigung, der Warte­raum für Ankommen und Regulierung von Nähe und Distanz, der Besprechungs- und Behandlungsraum für Aktion und Inter­aktion, ist ebenso wichtig wie ein geschützter Raum der auf ihn wartet für den Aufbau von Beziehung und dem Spüren eigener seelischer Schritte.

In dieser Anordnung der „Raumhüllen“, wobei im Zentrum ein warmer, inniger Kontakt, gut abgesichert durch zahlreiche „Außenhüllen“, möglich ist, kann sich der „gemeinsame Raum“ der Beratung, Behandlung und Therapie entwickeln und sich die „Innenräume“ des Klienten öffnen und entfalten. Die Kooperation wird gefördert, Gespräche können offener geführt werden und Behandlungen erfolgreicher verlaufen.

Gestaltung von Raum zu Raum

Vorplatz und/oder Vorgarten bilden bereits den ersten Praxisraum und sind auch eine Visitenkarte der Praxis. Neben einer guten Orientierung für den Kunden/Klienten kann hier bereits eine Unterstützung des Ankommens geleistet werden. Eine besondere Funktion haben dabei die Schwellen­situationen an der Zauntür und folgend der Haustür.

Ein Wartezimmer oder ein Wartebereich im Flur dient nicht nur dem Warten. Er gibt den Kunden / Klienten die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen. Sie sind oft unsicher, besorgt und fühlen sich möglicherweise allein­gelassen. Eine wohltuende, freundliche Gestaltung des Warte­zimmers wirkt diesen Gefühlen entgegen.

Der Weg vom Wartebereich zum Sprechzimmer oder zum Behandlungs­raum kann diese wichtige Arbeit fortsetzen oder zunichte machen. Er wirkt als Schwelle von einer passiven in eine aktive Situation und braucht daher motivationsfördernde Wirkungen.

Das Erstgespräch findet dann meist im Behandlungsraum statt. Für eine effektive Platzgestaltung empfiehlt sich aber ein eigener Raum, ein Sprech­zimmer, zumindest ein deutlich abgegrenzter Bereich. Ein Ortswechsel vom Ort des Erstgesprächs zum Ort der Behandlung macht aus mehreren Gründen Sinn. Der Ort des Gespräches ist auch der erste Ort der Be­ziehungen in einer Praxis. Hier dürfen sich bereits erste Innenräume öffnen.

Der Platz für Coaching, Mediation, Gesprächstherapie, usw. folgt den gleichen Gestaltungs­grund­sätzen. Die Anordnung der Sitzpositionen kann förderlich oder hinderlich sein. Die räumliche Vermittlung von Kooperation, Austausch und Dialog oder Unterstützung wirkt für die anschließende Behandlung förderlich. Die räumliche Wirkung von Gleichgültigkeit, Separation oder gar Konfrontation belastet eine Öffnung von Beziehungsräumen.

Für die Arbeit mit Kindern gilt, sich auf Augenhöhe zu begeben, also nicht höher zu sitzen als die Kinder und auf sie herabzublicken.

Der Weg vom Sprechzimmer zum Behandlungsraum schließlich bedarf immer wieder der Aufmunterung und Vertrauensbildung.

Die Gestaltung des Behandlungsraumes ist gleichzeitig auch eine Gestaltung von Rahmen­bedingungen für die Öffnung weiterer Innenräume. Nur in einer verbundenen Situation kann wirklich gute Arbeit geleistet werden. Und eine seelische Berührung ist „branchenunabhängig“.

Dem Büroarbeitsplatz wird in Praxen oft zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei geschieht hier für die selbständige Tätigkeit wichtige und wertvolle Arbeit. Der Arbeitsplatz soll daher stärkend und kreativ wirken. Auf die Grundsätze guter Arbeitsplatzgestaltung wird in einem eigenen Artikel näher eingegangen.

Räume zum Erholen und Regenerieren, vor allem für die Mitarbeiter, fehlen weitgehend in unseren Arbeitswelten. Sie sollten aber 20% der Fläche für eine gute Erholung und Regeneration aus­machen. Das Essen ist nicht nur eine funktionelle, sondern vor allem auch eine sinnliche Tätigkeit. Und schließlich sind informelle Beziehungen und Kommunikation wichtig, auch wenn das oft anders gesehen wird.

Wir machen auch für Sie sehr gerne eine Praxisberatung und -begleitung.

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Ein erfolgreicher Praxisraum, Teil 2

Ein erfolgreicher Praxisraum, Teil 2

Praxisräume als Gesundräume

Alle Praxisräume und Ordinationen haben eines gemeinsam: Sie dienen der Gesundheit und dem Wohl­befinden ihrer Nutzer. Dieser Aspekt ist von großer Tragweite und soll noch weiter ausgeführt werden. Denn nicht nur der Zweckwidmung der Räume sollte die einzige Aufmerk­samkeit zuteil werden, sondern auch ihrer Örtlichkeit, ihrer Ausstattung und ihrer Materialität. Daraus möglicherweise resultierende Belastungen machen auch vor Praxisräumen nicht Halt. Und obwohl sie in einem großen Wider­spruch zu Gesundheit und Wohlbefinden stehen, finden wir sie sehr häufig in unseren Gesund­räumen.

Im Teil 1 dieser Artikelserie wurde schon auf das Thema Gesundheit hingewiesen. Aufgrund der Tragweite soll das Thema mit einem Blick auf baubiologische Themen vertieft werden. Praxisräume und Ordinationen sind schließlich den Themen Gesundheit und Wohlbefinden gewidmet. Dennoch herrscht in diesen Räumen oft „dicke Luft“ durch Elektrosmog, Wohngifte und Schadstoffe, das Raumklima, biogene oder geo­biologische Belastungen oder raumpsychologische Störungen. Davon sind nicht nur Kunden, Patienten oder Klienten betroffen. Viel stärker noch sind die dort arbeitenden Menschen durch längere Verweildauern möglichen Belastungen und Stressoren ausgesetzt.

  • Wohngifte und Schadstoffe

Viele Menschen reagieren sensibel oder gar unverträglich auf chemische Inhaltsstoffe in unseren Baustoffen und Einrichtungs­materialien. Leider gibt es noch keine Kennzeichnungspflicht über deren Inhaltsstoffe. Es ist aber eine Tatsache, dass von etwa 50.000 chemischen Kunstprodukten viele in unseren Werk­stoffen zu finden sind und bei chronischer Einwirkung belastend werden können. Formaldehyd, Lösemittel, Pestizide und Metalle sind nur einige Beispiele dafür. Naturstoffe sind die Antwort darauf, insbesondere bei den großen Flächen, wie Boden und Wände.

  • Raumklima und Schimmel

Das Verhältnis von Raumtemperatur und relativer Luftfeuchtigkeit bestimmt das Raumklima. In Räumen mit mehreren Menschen steigt die Luftfeuchtigkeit und wir sollten Lüften. Neben der Raumluft bedürfen auch die Außenwände unserer Aufmerksamkeit. Wenn es in den Wänden feucht wird, freut sich auch ein weniger beliebter Mitbewohner, der Schimmelpilz. Dessen Gifte wurden von der WHO als krebserregend eingestuft. Also nicht unterschätzen! Und bloß nicht abkratzen, sondern fach­gerecht entfernen lassen.

  • Elektrosmog riecht nicht

Gegenüber elektrischen und magnetischen Feldern reagieren viele Menschen sensibel oder sogar hyper­sensibel. Dies sollte aber in einer Praxis oder Ordination nicht vorkommen. Nun werden aber elektrische Geräte zur Arbeit benötigt. Um die Felder so gering wie möglich zu halten, wird bei der Installation der Räume die Schaffung strahlungsarmer Raumzonen empfohlen. Das setzt eine gute Planung voraus, ist aber möglich. Auch nachträgliche Maßnahmen können hilfreich sein. Und Mitarbeiter, Kunden, Klienten und Patienten können ganz entspannt bleiben.

  • Kabel statt Funk

Geräte mit hochfrequenter Strahlung haben sich mittlerweile in großer Anzahl in unseren Räumen an­ge­sammelt. Es wird empfohlen, auf Funk zu verzichten und stattdessen kabelgebundene Systeme zu verwenden. Also LAN statt WLAN. Darauf weist auch die EMF-Leitlinie 2016 der Europäischen Akademie für Umweltmedizin hin. Elektromagnetische Belastungen von außen, wie vom Handymast oder von Nachbarn, lassen sich mit Abschirmfarben oder -textilien abschirmen.

  • Blitze beim Händeschütteln

Sie kennen den Effekt: ein Funkenschlag beim Händegeben. Wir haben es hier mit elektrostatischen Entladungen zu tun. Sie entstehen, wenn es vorher eine elektrostatische Aufladung gegeben hat. Und die entsteht durch synthetische Boden- und Wandbeläge, Vorhänge und Raumtextilien. Wenn Sie Natur­materialien ve­rwenden, können sie das Blitzgewitter vermeiden.

  • Keine Magnetfeldtherapie

Das Metall von Schreibtischen, Liegen und Sitzgelegenheiten lenkt das Erdmagnet­feld ab. Sie können das ganz einfach mit einem Kompass prüfen. Das stört auch unseren Organismus. Wenn der Schreibtisch oder die Liege über einen durchgehenden Metallrahmen verfügen oder komplett aus Metall sind, bauen sie ein eigenes Magnetfeld auf, was noch störender ist. Die Möbel sollten aus massivem Holz und ohne Metall hergestellt sein.

  • Es werde Licht

Sorgen sie für Tageslicht. Wir haben ohnehin viel zuwenig davon. Künstliches Licht bedeutet Stress für den Menschen und sollte zumindest in Gesundräumen zugunsten der Sonne vermieden werden. Und empfehlen Sie Ihren Kunden, Klienten und Patienten tägliches Lichtbaden zuhause. Denn aktuelle Studien belegen, dass ein Mangel an natürlichem Licht den Hormonhaushalt und den Biorhythmus aus dem Gleichgewicht bringt und vielfältige gesundheitliche Belastungen verursachen kann.

  • Geologie meets Biologie

Geobiologische Phänomene im Untergrund unserer Lebensräume werden nicht bestritten. Ihre biologischen Wirkungen auf den Menschen schon. Doch auch hier gilt das Vorsorgeprinzip. Zumindest Sitz- und Liegeflächen sollten nicht auf Wasseradern, Verwerfungen oder auf andere mögliche Stressoren positioniert werden. Dies gilt umso mehr für Daueraufenthaltsplätze der dort arbeitenden Menschen.

  • Radon

Radon wird als zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs eingestuft, gleich nach dem Rauchen.  Soweit die schlechte Nachricht. Die gute ist, man kann die radioaktive Belastung messen und etwas dagegen tun. Lassen sie daher eine Radonmessung machen. In der Praxis und gleich auch Zuhause.

  • Lärm und Schall

Gegen Lärm ist kein Kraut gewachsen. Wenn Sie keinen Einfluss auf Lärmquellen haben und bei ge­schlossenem Fenster keine Ruhe möglich ist, wirkt nur auswandern. In einer Praxis braucht es Ruhe!

Wir machen auch für Sie sehr gerne eine Praxisberatung und -begleitung.

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Ein erfolgreicher Praxisraum, Teil 1

Ein erfolgreicher Praxisraum, Teil 1

Warum Praxisgestaltung?

Alle Gesundheitsberufe haben eines gemeinsam: Sie brauchen für die Arbeit mit ihren Kunden, Klienten oder Patienten geeignete Räumlichkeiten. Die Eignung folgt neben ästhetischen vor allem funktionalen Kriterien. Schließlich ist ein reibungsloser Ablauf zu gewährleisten. Dass aber Raum viel mehr kann, zeigen raumpsychologische Untersuchungen. Und einige grundsätzliche Vorleistungen, damit Ästhetik und Funktion in ihre Kraft kommen und alle in einer Praxis versammelten Menschen unterstützt werden.

Noch bevor Kunden, Klienten und Patienten sich ein Bild von den Kompetenzen des Arztes, Therapeuten oder Beraters machen, formt sich ein erster Eindruck beim Betreten der Praxisräume. Wie wird Ihre Praxis oder Ordination wahrgenommen? Menschen stehen in dauernder Resonanz mit ihrer Umgebung. Die räumliche Erfahrung von Eingang, Warte-, Behandlungs- und Besprechungsraum ist ebenso wichtig wie ein geschützter Raum, der auf sie wartet. In dieser Anordnung der Raumhüllen kann sich der gemeinsame Raum für Beratung und Therapie entwickeln und sich die Innenräume des Kunden, Patienten oder Klienten öffnen und entfalten.

Architektur wirkt – als Teil unserer Umwelt – auf den Menschen und steht so in unmittelbarem Zusammenhang mit Gesundheit und Behaglichkeit. Der Raum stellt dabei einen wichtigen Speicher dar, der etwas repräsentiert, jedoch beim Betrachter auch etwas bewirkt. Es wird deutlich, dass dem Zweck eines Raumes nicht die alleinige Aufmerksamkeit zukommen sollte, sondern dass eine wechselseitige Beziehung zwischen dem Raum und der sich darin befindenden Person besteht. Sie sind nicht als voneinander unabhängig zu sehen, sondern stehen durch wechselseitige Resonanz in ständiger Interaktion. Der Raum impliziert dabei nicht nur den statischen Aspekt von Ort, Platz, Stelle, sondern auch dynamische Aspekte von Gelegenheit, Möglichkeit, Entwicklung.

Welche Gründe sprechen nun für eine Praxisgestaltung, die über ästhetische und funktionelle Aspekte hinausgeht? Mit zehn Argumenten in zwei Kapiteln versuche ich, gute Gründe dafür zu finden.

Raum und Heilung: Die Wirkung nach außen.

Räume können Kunden, Klienten und Patienten unterstützen. Sie helfen, Wartezeiten weniger als Belastung zu erleben und Ängste abzubauen: Der Kunde, Patient oder Klient kommt zu Ihnen und erlebt plötzlich etwas ganz Unerwartetes – er erlebt ein Gefühl von Wohlbefinden. Dieses Erlebnis ist möglich und von großer Tragweite. Es fördert das Vertrauensverhältnis, unterstützt Sie in Ihrer Arbeit und aktiviert die Selbstheilungskräfte. Das Raumerlebnis verknüpft sich mit Ihrer Dienstleistung und kann so dessen Wirkung verstärken.

Fünf guten Gründen beschreiben Ihnen, warum Sie aus Sicht ihrer Kunden, Klienten und Patienten eine gute Praxisgestaltung in ihre Arbeit einfließen lassen können:

1.Kontrolle und Wohlgefühl: Wartender in einer Praxis kann eine stressvolle Erfahrung sein. Die Gestaltung der Warteräume kann zu einer Entspannung verhelfen.  
2.Anregung und Beruhigung: Die Gestaltung kann das Aktionsniveau beeinflussen und sowohl eine Anregung als auch eine Beruhigung durch den Raum bewirken.  
3.Repräsentation und Vertrauen: Die Effekte der Gestaltung beeinflussen die Wahrnehmung von Kompetenz und Qualität und wirken auf Akzeptanz und Vertrauen.  
4.Autonomie und Kooperation: Die Gestaltung fördert die Kooperation durch Herstellung des jeweils geforderten Grads zwischen Interaktion und Autonomie.  
5.(Selbst)Heilungskräfte: Die Gestaltung von Räumen kann die Selbstheilungskräfte aktivieren und die Selbstorganisation stärken.  

Raum und Arbeit: Die Wirkung nach innen.

Räume können Ärzte, Therapeuten, Energetiker und Berater unterstützen. Die Praxisgestaltung hat einen Marketingeffekt: Wenn in einer Praxis eine Atmosphäre zum Wohlfühlen herrscht, dann ist das ein klarer Anreiz für die Kunden, Klienten und Patienten, gerne wiederzukommen. Sie berichten gerne Verwandten und Bekannten von ihren Erfahrungen, und so wird die Praxis zum positiven Gesprächsthema. Ihr Unternehmen wird verstärkt weiterempfohlen. Nicht zuletzt profitieren auch Sie und das eigene Praxisteam von einer angenehmen Arbeits­umgebung. Sie und Ihre Mitarbeiter.innen schöpfen selber mehr Kraft aus Ihrer Arbeit und verbessern Ihre eigene Lebensqualität.

Weitere fünf Argumente beschreiben, warum Sie aus eigenem Interesse und aus Sicht ihrer Mitarbeiter mit einer guten Praxisgestaltung ihr Leben bereichern können:

1.Gesundheit und Motivation: Unbelastete Räume und eine unterstützende Atmosphäre schaffen ein ganzheitliches Raumsystem, um sich nachhaltig wohl zu fühlen.  
2.Wachstum und Entwicklung: Durch wirksame Gestaltung wird das tägliche Erleben bereichert, die Kreativität gesteigert und ein inneres Wachstum ermöglicht.  
3.Unterstützung der Behandlung: In Wohlfühlräumen sind alle entspannter. Gespräche können offener geführt werden und Behandlungen erfolgreicher verlaufen.  
4.Selbstbild und Identität: Die Umgebung kann personalisiert werden, um Besuchern einen authentischen Eindruck von Selbstbild und Identität zu vermitteln. Das eigene Selbstverständnis wird in den Raum übertragen, der somit als Kommunikationsmittel gegenüber anderen dient.  
5.Absicht und Haltung: Wir unterstützen die Entfaltung unserer Potentiale und Produktivität unserer Lebensprozesse, wenn wir allen Lebensräumen, den privaten und betrieblichen, die gleiche vielfältige und differenzierte Gestalt geben, wie uns selbst.

Trotz dieser Argumente finden wir viele Praxisräume, in denen wir uns nicht wohlfühlen. In den nächsten Folgen möchte ich Ihnen vermitteln, wie Wechselwirkungen zwischen Mensch und Raum stattfinden, welche Gestaltungsmittel es für Praxisräume gibt, wie sie einzusetzen sind und welche Besonderheiten in bestimmten Räumen zu berücksichtigen sind. Zum Schluss erhalten sie noch Hinweise, worauf Sie im Betrieb einer Praxis achten sollen.

Wir machen auch für Sie sehr gerne eine Home-Office Beratung und Begleitung.

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